Dem „Spider-Käfer“ auf der Spur

OWL-Reportage: Die Klasse 4 a der Grundschule Künsebeck erobert auf einer Wanderung die Schönheiten der Natur. Es ist der Auftakt einer Reihe ähnlicher Touren aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der Hermannshöhen

Halle. Es ist ein strahlender Tag in Künsebeck, einem idyllischen Stadtteil vor den Toren Halles. Gut gelaunt finden sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 4a der örtlichen Grundschule am Eingang ein. Das Morgenlied erklingt – in mehreren Sprachen. Hartmut Lüker ist beeindruckt. Der Wanderführer vom örtlichen Ableger des Teutoburger Wald Vereins ist eigens gekommen, um den Mädchen und Jungen auf einer 6,5 Kilometer langen Wanderstrecke die Schönheiten der Natur im nahen Teutoburger Wald zu zeigen.


Die Veranstaltung ist der Start einer Reihe ähnlicher Wanderungen aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der Hermannshöhen, Aushängeschild des Wanderwegenetzes in Ostwestfalen-Lippe. Im Gänsemarsch geht es durch den Ort bis zum südlichen Hang des Teutoburger Waldes.

„Schaut euch gut um, welche Pflanzen ihr wahrnehmt“

„Wir haben hier ein Naturschutzgebiet“, erklärt Lüker an einer Informationstafel, die am Randes des Waldes aufgestellt ist. Der Schutzbereich trägt den Namen „Großer Berg/Hellberg“. Hier müssen Spaziergänger stets auf den Wegen bleiben und die Belange der Tier- und Pflanzenwelt besonders gut beachten, erläutert der Wanderführer.

„Achtet mal auf die Geräusche, schaut euch gut um, welche besonderen Pflanzen ihr wahrnehmt.“ Die Grundschüler lassen sich nicht lange bitten und erforschen die heimische Natur mit offenen Augen, Ohren und ihren mitgebrachten Kameras. Denn nachher soll die Wanderung in Fotos dokumentiert und aufgearbeitet werden. Lüker lenkt den Blick der jungen Naturfreunde auf die blauen Veilchen am Waldboden und die hellen Buschwindröschen. „Der Lärchensporn ist schon verblüht, leider.“

Es geht weiter den Berg hinauf. Die Kinder fotografieren begeistert das Panorama ihres Heimatortes. „Wir stehen hier am Rande des Steinbruchs“, sagt Lüker. Hier wird Kalkstein abgebaut und zu Düngemittel für die Landwirtschaft weiterverarbeitet. Nebenan eine weitere Hinterlassenschaft der Zivilisation: die bereits abgedeckte Müllkippe. Gras und Büsche sollen den Hügel künftig bedecken und fast unsichtbar machen.

Es geht weiter auf die andere Seite des Teutoburger Waldes. Hier, in der Ascheloher Schweiz, ist die landschaftliche Idylle perfekt. Das sanfte Hügelland lädt zum Entspannen ein, ganz so wie die Landpension Dröge, an der die Wanderung vorbei führt.

Es geht wieder bergauf, zu einer Wiese, die erneut einen Blick in den Steinbruch erlaubt. Die Kinder staunen, aber nicht nur über den gewaltigen Steinbruch, sondern auch über den tollen Ort mitten im Grünen. Ideal für die Frühstückspause und ein Tänzchen.

„Perfektes Wetter. Ich sitze gemütlich“, schwärmt Fynn und packt seine Butterbrote und die Apfelstückchen aus, die er mitbekommen hat. Oliver ist begeistert von der Aussicht. Dann lacht er laut beim Blick vor seine Füße. „Ein Spider-Käfer!“ So nennt er den winzigen Erdenbewohner, einen Marienkäfer, wegen seiner flotten, schwarz-gelben Farbgebung.

Laura findet es hier ebenfalls „super. Außer, dass der Boden hart ist“. Doch dem Spaß auf der sattgrünen Wiese tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil. Die Stimmung ist bestens, als es auf die Schlussetappe zurück geht. Dabei gibt es im Wald noch zwei kleine Stollen zu entdecken, die aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammen. Steil geht es hinab zum mit einem Gitter abgesicherten Eingang. „Vorsicht, nicht zu dicht herangehen, bitte“, mahnt Klassenlehrerin Lydia Kortenbusch.

Dienten die Stollen in Kriegszeiten dazu Materialien einzulagern, die die Kriegsgegner nicht finden sollten, ist es hier heute mehr als friedlich. Fledermäuse haben das kühle Areal als Domizil erobert, wie Lüker berichtet. Die Kinder sind begeistert und staunen. Mit selbst aus dem Wald gesuchten Wanderstöcken geht es zurück zur Schule. „Ich fand es total schön, hier in der heimischen Umgebung noch einmal die Augen geöffnet zu bekommen“, sagt Kortenbusch. Die Entscheidung an der Wanderung teilzunehmen, sei gut gewesen.

Die Schüler entschwinden in ihre wohlverdiente Pause. Sie haben ihre Antwort schon gegeben. Das Programm haben sie mit Begeisterung mitgemacht. Die Natur an den Hermannshöhen war für sie ein einmaliges Erlebnis.

 

© 2016 Neue Westfälische
01 – Bielefeld West, Mittwoch 27. April 2016



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