Männer locken Sechsjährige ans Auto

Mütter schreiten rechtzeitig ein / Polizei sucht Fahrer eines grauen Autos mit Gütersloher Kennzeichen

VON JENS REICHENBACH

Bielefeld-Hillegossen. Zwei sechsjährige Jungen sollten am späten Mittwochnachmittag an der Waldenburger Straße womöglich in das Auto zweier fremder Männer gelockt werden. Eine Nachbarin reagierte blitzschnell und verhinderte, dass einer der Zwillingsbrüder in den fremden BMW mit Gütersloher Kennzeichen einsteigen konnte. Jetzt ermittelt die Polizei in dem Fall.

„Ich stehe immer noch unter Schock“, sagt die Mutter der Zwillinge auf Anfrage der Lokalredaktion. „Ich hatte die Jungs nach Hause gerufen.“ Vom Hof hinten mussten die Schüler einmal um den Wohnblock, um vorne ins Haus zu gelangen. „Auf diesem kurzen Weg, muss ein Autofahrer aus dem Seitenfenster heraus die spielenden Kinder angehalten und angesprochen haben“, bestätigt Polizeisprecher Achim Ridder. Die Zwillinge und zwei weitere gleichaltrige Nachbarsjungen sollen von den beiden Männern im Auto gefragt worden sein, was sie denn machen würden. „Wir sammeln Nüsse“, antworteten diese. Darauf reagierte der Autofahrer geschickt und behauptete, auch viele Nüsse zu besitzen. „Ich gebe Euch welche“, soll er gesagt haben.

Eine 28-jährige Mutter saß zufällig vor dem Hauseingang der Jungs und beobachtete das ungewöhnliche Verhalten der unbekannten Autofahrer: „Ich habe gesehen, dass der Beifahrer statt mit Nüssen mit einer Haribotüte schwenkte.“ Als einer der Zwillinge immer näher kam, schrie die Mutter „Hey! Was wollt Ihr von den Kindern?“. Der Beifahrer wackelte nach Angaben der Augenzeuginnen ungerührt weiter mit den Süßigkeiten. Einer der Erstklässler wollte schon zugreifen. Da sprang die 28-Jährige auf das Auto zu und rief, dass die Männer abhauen sollten. „Ich hatte das Gefühl, der greift gleich das Kind und zieht es ins Auto“, berichtet die 28-Jährige.

Damit verhinderte die umsichtige Frau möglicherweise Schlimmeres. Ob die Männer tatsächlich böse Absichten hegten, ist dabei völlig unklar. Angesichts des lautstarken Widerstands der anwesenden Mutter und einer Begleiterin (45) gaben die Männer in dem großen, grauen BMW schließlich Gas und verschwanden.

„Wer wirklich nur Süßigkeiten an Kinder verteilen will, muss nicht vor mir flüchten“, sagte die reaktionsschnelle Nachbarin gestern, die seit 14 Jahren in der Siedlung an der Waldenburger Straße wohnt. „Aber so etwas habe ich hier noch nicht erlebt.“

Die Mutter der Zwillinge brach in Tränen aus, als die Zeuginnen ihr von dem Vorfall erzählten: „Mein Sohn war schon fast am Auto. Ich war den ganzen Abend völlig konsterniert“, berichtet die 26-jährige Mutter. Trotzdem rief sie sofort die Polizei und erstattete Anzeige. Herbeigerufene Polizeibeamte befragten noch an diesem Abend die Jungs.

Seitdem ist der Vorfall in der Siedlung und an der Grundschule der vier Erstklässler großes Thema. Eine Stunde später soll es beim Netto-Supermarkt 50 Meter weiter einen ähnlichen Vorfall gegeben haben. Eltern warnen sich seitdem, auch auf Facebook gehen aktuell Warnhinweise herum.

Polizeisprecher Achim Ridder beruhigt: „Strafrechtlich ist noch nichts passiert, außer dass jemand eine Tüte Nüsse oder Haribo verschenken wollte.“ Trotzdem ermittelt die Polizei wegen „verdächtigen Ansprechens von Kindern“. „Wir nehmen solche Hinweise ernst.“

In dem großen, nagelneuen BMW (Farbe: grau, Kennzeichen: GT) sollen zwei Männer gesessen haben, die mit russischem oder polnischem Akzent gesprochen haben. Der Beifahrer war blond und trug ein schwarzes T-Shirt sowie eine schwarze Sonnenbrille. Die Polizei bittet Zeugen, die diesen oder einen ähnlichen Vorfall beobachtet haben, sich ans Kriminalkommissariat 14 zu wenden unter Tel. (05 21) 54 50.


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01 – Bielefeld West, Freitag 28. August 2015




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