Schlechte Noten für Ganztagsschulen in NRW

Neue Studie: Die Bertelsmann-Stiftung vergleicht das bundesweite Angebot im gebundenen Nachmittagsunterricht. Ministerium hält Angebot für angemessen

Gütersloh/Bielefeld. Nicht überall, wo Ganztag dran steht, wird auch Ganztag geboten. So ernüchternd fällt die Bilanz einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus.


Die Angebote und Lernbedingungen in verschiedenen Schulformen mit gebundenem Ganztag wurden im Bundesländervergleich unter die Lupe genommen. Die Rahmenbedingungen unterschieden sich stark zwischen den 16 Ländern und den Schulstufen, heißt es in der Untersuchung. Nur das Saarland und Berlin bieten demnach ein gutes Verhältnis zwischen zusätzlicher Lernzeit und entsprechender Personalausstattung in allen Schulstufen. NRW-Schulen schneiden schlecht ab.

Nur an drei Tagen pro Woche schreibt das NRW-Schulministerium eineinhalb Extra-Stunden am Nachmittag vor. Stehen Ganztagsschülern der höheren Klassen im Bundesdurchschnitt rund acht zusätzliche Stunden wöchentlich zur Verfügung, sind es in NRW nur 4,6 Stunden an Gymnasien und 3,9 Stunden an den anderen weiterführenden Schulen.

„Das ist die Schmalspur-Variante der Ganztagsschule, die sich an den bestehenden Mindestvorgaben der Kultusministerkonferenz orientiert“, sagt Studienautor Dirk Zorn. Die Angebote der Schulen gingen vielfach über das festgeschriebene Mindestmaß hinaus, sagt dagegen NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann: „Das lässt die Studie leider unberücksichtigt.“ Zudem gebe es an vielen Schulen Nachmittagsangebote wie AGs, die nicht im engeren Sinne zum Ganztag zählten.

Die Bielefelder Schulen mit Ganztagsangebot bieten mehr, als das vorgeschriebene Mindestmaß. „Wir haben unser Angebot in engem Austausch mit den Eltern konzipiert“, sagt Gisela von Alven, Schulleiterin des Max-Planck-Gymnasiums. Die sieben Stunden Unterricht, die die Studie den Schulen in NRW an drei Tagen in der Woche bescheinigt, würden an vier Tagen überschritten.

Die Nachfrage sei groß, sagen Elias Ulrich und Bettina Lohkamp, Ganztags-Koordinatoren am Helmholtz-Gymnasium: „Die Eltern wünschen Sicherheit und verbindliche Zeit, in denen ihre Kinder in der Schule lernen.“ Am Helmholtz-Gymnasium wird dieses Angebot unter dem Namen „Fördern und Fordern“ von Lehrern in die Hand genommen. „In anderen Bereichen ist aber auch denkbar, das von Sozialarbeitern gestalten zu lassen“, sagt Lohkamp.

Im NRW-Haushalt 2016 seien 770 Millionen Euro für den Ganztag vorgesehen, so Ministerin Löhrmann. Das wertet auch die Studie als überdurchschnittlich.

 

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01 – Bielefeld West, Freitag 29. April 2016



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