Schulministerin beim Finale der Jungforscher

„Jugend forscht“: Sylvia Löhrmann besucht vor der Preisverleihung in Paderborn die Stände der Teilnehmer und zeigt sich äußerst beeindruckt. Unter den Bundessiegern sind gleich drei Schüler aus Nordrhein-Westfalen

Paderborn. Die Entwicklung eines Hologramm-Projektors, die Berechnung der Masse von erdfernen Planeten oder ein Radio aus dem Backofen – das sind nur einige der Projekte, die beim Bundesfinale von „Jugend forscht“ in Paderborn ausgezeichnet wurden. Teilnehmer aus OWL gab es in diesem Jahr keine, dafür stammen aber drei Sieger aus NRW.


Das freute besonders die stellvertretende Ministerpräsidentin und Schulministerin des Landes, Sylvia Löhrmann (Grüne). Vor der Preisverleihung machte sie sich bei einem Rundgang durch das Heinz-Nixdorf-Museumsforum (HNF) selbst ein Bild von den Arbeiten der 191 Jungforscher. Die ausgewählten Arbeiten fand sie „ganz beeindruckend“. Löhrmann war auch begeistert, dass es 2016 eine Rekordbeteiligung von Mädchen an dem Wettbewerb gab. 4.000 waren ursprünglich angetreten (insgesamt 12.000), 56 hatten es nach Paderborn zum Finale geschafft. Zwei schafften es auf das Siegertreppchen.

1.100 Gäste applaudierten bei der Preisverleihung im Paderborner Schützenhof den Siegern. Den Bundessieg im Fachgebiet Arbeitswelt errang Tobias Gerbracht (18) aus Nordrhein-Westfalen. Er konstruierte einen sogenannten Augmented-Reality-Projektor, mit dem sich dreidimensionale Objekte virtuell im Raum schwebend darstellen lassen. Ebenfalls aus NRW stammt der 17-jährige Bundessieger im Fachgebiet Mathematik/Informatik. Stefan Genchev entwickelte ein softwarebasiertes System zur Verwaltung von Zugangsdaten.

Dafür bekam er noch auf der Bühne ein Jobangebot von Karlheinz Brandenburg, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie. Der dritte Bundessieger aus NRW fand sich im Fachbereich Technik. Der 18-jährige Lukas Lao Beyer konstruierte ein sogenanntes Software Defined Radio, bei dem Funksignale digital verarbeitet werden. Die Leiterplatte produzierte er selbst im Backofen.

Sara-Luisa Reh (16) und Anja-Sophia Reh (14) aus Bayern überzeugten die Jury im Fachgebiet Biologie. Die beiden untersuchten in einer Einzelfallstudie, inwiefern der Zyklus den Blutzuckerspiegel und die Insulinfreisetzung bei Diabetikerinnen beeinflusst. Bundessieger im Fachgebiet Chemie wurden Christian Schärf (18), Paul Rathke (18) und Friedrich Wanierke (17) aus Thüringen. Die Jungforscher stellten künstliche Rubine her. Tuan Tung Nguyen aus Mecklenburg-Vorpommern analysierte die innere Beschaffenheit zweier erdähnlicher Exoplaneten. Der 18-Jährige siegte im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften. Physik-Bundessieger Ivo Zell (17) aus Hessen baute Flugzeuge ohne Leitwerke mit einem fließenden Übergang von Rumpf und Tragflächen als Modell. Die Flugeigenschaften verbesserte er mit eigenen Messinstrumenten.

Moderiert wurde die Preisverleihung von Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis. Zu den Laudatoren gehörten unter anderem Staatssekretärin Yasmin Fahimi, der stellvertretende Stern-Chefredakteur Thomas Ammann, und Claudia Bogedan, Präsidentin der Kultusministerkonferenz. Die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hatte ihren Besuch kurzfristig absagen müssen.

Auch der deutsche Computerpionier Andreas von Bechtolsheim war zu Gast in Paderborn. Der „Jugend forscht“-Bundessieger von 1974 lebt seit 40 Jahren im Silicon Valley. Er gründete die Computerfirma Sun und war der erste Geldgeber der „Google“-Gründer. Im HNF besuchte er die Jungforscher und verewigte sich an der „Wall of Fame“, einer Galerie mit 150 Computerpionieren.

 

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01 – Bielefeld West, Montag 30. Mai 2016



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